Erste Biographie über Wissenschafts-Netzwerker Werner von Melle

Eine Geschichte über den Rechtsanwalt, Journalisten, Senator und Bürgermeister - wie er seine Stadt umforschte, umwarb und eroberte

Bei ihm liefen im Hamburger Kultur- und Wissenschaftsleben der Jahrhundertwende alle Fäden zusammen. Er war der bedeutendste Wissenschafts­organisator in der Geschichte der Hansestadt. Nun ist die erste Biographie über Werner von Melle (1853-1937) er­schienen. Verfasst hat sie Myriam Isabell Richter für die Reihe "Mäzene für Wissen­schaft", die von Ekkehard Nümann für die Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung heraus­gegeben wird. Mit dem Lebensbild ehrt die Stiftung ihren Begründer, der ihr 30 Jahre, von 1907 bis 1937, als Präsident vorstand.

Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: "Es ist beeindruckend, sich an die Fersen Werner von Melles zu heften und seine Spuren durch die Zeiten bis in die Gegenwart zu verfolgen. Wir können viel von ihm lernen. Wie er es verstanden hat, seine Stadt von der Wissenschaft zu begeistern, wie er Netzwerke gesponnen hat und wie es ihm gelang, die Universität in dieser traditionellen Kaufmannsstadt zu gründen."

Die Biographie "Stadt – Mann – Universität" wurde von der Hermann Reemtsma Stiftung und der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung gefördert.

Dr. Ekkehard Nümann, Vorsitzender der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung: "Sein diplomatisches Geschick, seine Kommunikationsfähigkeit, sein Sinn für Bedeutsames und für Machbares ließen Werner von Melle zu einem der wichtigsten Gestalter des Hamburger Bildungswesens werden. Die Gründung der Hamburgischen Universität im Jahr 1919 war nicht zuletzt sein 'Jahrhundert-Lebenswerk'."

"... man habe sie scherzhaft seine vierte Tochter genannt", ließ Werner von Melle die zahlreiche Gratulantenschar wissen, bei der er sich 1928 für die vielen Glückwünsche zum 75. Geburtstag bedankte. Ein durchaus zutreffendes Bild. Gemeint war die Hamburgische Universität, die 2019 ihr 100-jähriges Jubiläum feiern kann – eine Geschichte voller Glanz, aber auch mit Schattenseiten. Von den Geburtswehen wird der zweite Teil der Biographie berichten. Gegenstand des nun vorliegenden ersten Teils ist die Erkundung des Terrains, auf dem der junge Werner von Melle sich bis 1891 bewegte. Zunächst als Advokat und Pressemann tätig, betrat der Vater dreier Töchter in diesem Jahr die politische Bühne Hamburgs.

360 Grad oder – wie es in der Biographie heißt – die panoramische Fähigkeit, alles Wesentliche mit einem Blick zu umfassen: Das war die große Gabe des Kaufmanns- und Senatorensohnes, die ihn zu einem Solitär machen sollte. Der Weg war nicht eben leicht. Er war nicht vorgezeichnet und ihn mit Erfolg zu Ende zu gehen, war nur mit Hilfe eines fein gesponnenen Netzes möglich. Eines Netzes, das aus Verwandtschaft, Freundschaft und Wissenschaft gewoben war.

Für Werner von Melle, aufgewachsen unter der liebevollen Obhut von Eltern und Großeltern, war die eigene Familie schon frühzeitig der bestimmende Bezugsrahmen. Hier erwarb er den Habitus eines gebildeten Hamburger Patriziers. Seine Bildung verdankte er der Gelehrtenschule des Johanneums und dem Akademischen Gymnasium sowie den Universitäten Heidelberg, Straßburg, Leipzig und Göttingen. Seine Lehr- und Wanderjahre rundete von Melle mit einem Auslandsaufenthalt in Großbritannien ab, bevor er sich 1877 als Rechtsanwalt in Hamburg niederließ. Doch das genügte ihm nicht. Es drängte ihn nach mehr Gestaltungsraum. Die Offerte, in die Redaktion der "Hamburger Nachrichten" einzutreten, kam gerade recht. Seit 1886 war er der Kommentator in Hamburgischen Angelegenheiten. Da der politisch versierte Journalist aber nicht nur für den Tag schrieb, sondern auch staatsrechtliche Schriften verfasst hatte, kam an ihm schließlich auch das höchste Gremium der Stadt nicht mehr vorbei: Bei der Besetzung des begehrten Postens eines der vier Senatssyndici fiel 1891 die Wahl auf den 38-Jährigen. Die Tür zu höheren Zielen war geöffnet.

Die Publikation erscheint bei Hamburg University Press und kann direkt dort oder im Buch­handel bestellt werden. Sie ist außerdem über die genannte Webseite frei verfügbar (open access).