Wie William Heckscher die Hamburger Schule der Kunstgeschichte in die Welt exportierte

Der Hamburger Kunsthistoriker William S. Heckscher (1904-1999, bis 1941 Wilhelm) dachte und betrachtete Bildwerke assoziativ. Er war überzeugt: Das visuelle Denken kommt vor dem begrifflichen Denken. Heckscher hat die innovativen Ansätze der Hamburger Schule der Kunstgeschichte weiterentwickelt und in die Welt getragen. Dabei führte ihn sein Lebensweg von Hamburg und die Niederlande über Großbritannien, Kanada und die USA erneut in die Niederlande und wieder zurück in die Vereinigten Staaten.

Ungesehene Zusammenhänge zu entdecken, diese Fähigkeit verband William Heckscher mit Aby Warburg und mit Erwin Panofsky, seinem akademischen Lehrer. Heckscher dachte über Fachgrenzen hinweg. Als Kunsthistoriker, Mittellateiner und Literaturwissenschaftler arbeitete er interdisziplinär. Feinste Beobachtungen und Empfindungsausschläge machte er für die Kunstbetrachtung nutzbar und verband bildende Kunst und Literatur.

Karen Michels, selbst Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin, unterstreicht das unabhängige Denken und Arbeiten Heckschers: "Seine freigeistige Persönlichkeit hat seine Arbeitsweise geprägt – er verknüpfte historische, philologische und kunsthistorische Forschung. In seiner methodischen Offenheit, der Vielfalt seiner Perspektiven und Assoziationen hat er die Verbindungen zwischen der Antike und den nachfolgenden Epochen bis in die Gegenwart aufgespürt. Das Nachleben der Antike war sein Zentralthema, das Crossover als Denkform war sein Leben."

Heckscher hatte als freier Künstler begonnen und mit seinen Porträtzeichnungen guten Erfolg. Eine Romreise wurde 1929 zum Schlüsselerlebnis, ebenso kurz darauf die Begegnung mit Erwin Panofsky. Rasch holte Heckscher das Abitur nach und studierte in seiner Heimatstadt Hamburg seit 1932 Kunstgeschichte. Sein originelles Denken zeigt sich bereits an der Fragerichtung seiner Dissertation (1935): Wie haben vergangene Epochen Rom gesehen, die einstige Hauptstadt des römischen Imperiums, und wie wurden diese Blicke für immer neue Zwecke instrumentalisiert?

Nachdem sein Lehrer Panofsky als Jude 1933 von den Nationalsozialisten entlassen worden war, hielt Heckscher ihm die Treue. Für den politisch mißliebigen Pazifisten Heckscher folgten unruhige und schwierige Jahre. Kurzzeitig forschte er in Princeton, wo Panofsky als Gastwissenschaftler lehrte. Dann wurde die Warburg Bibliothek in London seine Arbeitsstätte, von dort ging es 1940 nach Kanada und über weitere Lebensstationen schließlich wieder in die "intellektuelle Oase" Princeton.

Ekkehard Nümann, Präsident der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung: "Heckschers Leistungen in der Emblemforschung und der Ikonologie knüpfen direkt an die Hamburger Schule der Kunstgeschichte an. Sie konnte keinen besseren Sendboten als Heckscher haben. Was für ein Glück, dass er sein Archiv 2001 aus Princeton nach Hamburg verschiffen ließ. Und was für ein Glück, dass Karen Michels ihn persönlich in den USA aufgesucht hat und ihre Biografie auch aus diesen Begegnungen schöpfen kann."

Die Publikation ist bem Wallstein Verlag erschienen und kann direkt dort oder im Buchhandel (ISBN 978-3-8353-5989-5) bestellt werden. 

 

 

Zurück zur Übersicht