Moritz Max Warburg (1838-1910)

1863 wurde Moritz Warburg von seiner Mutter Sara, der eigentlichen Chefin Bankhauses M. M. Warburg & Co., als zweiter Teilhaber des 1798 gegründeten Geldinstituts eingesetzt. 1865 übernahm der Ba­nkier jüdischen Glaubens gemeinsam mit seinem Bruder Siegmund dessen Leitung. Die Geschäftsaktivitäten blieben traditionell, da die Bank ein reines Kommissionsgeschäft, vornehmlich im Ausland, betrieb. Dies tat sie jedoch recht erfolgreich: 1898 war das Geschäftskapital auf 5,7 Millionen Mark gestiegen. Moritz Warburg unterstützte mit namhaften Beträgen das auf eine Stiftung Salomon Heines zurückgehende Israelitische Krankenhaus sowie die Talmud Tora Schule. Seiner Energie und Großzügigkeit war auch der Bau der großen, 1906 fertig gestellten Synagoge am Grindelhof zuzuschreiben. Zusammen mit seiner Frau Charlotte (geb. Oppenheim) hatte er sieben Kinder, darunter fünf Söhne, von denen Aby und Max am bekanntesten waren. Beide gehören wie ihr Vater zu den frühen Donatoren der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung und waren seit 1916 (Aby) bzw. 1910 (Max) Mitglied ihres Kuratoriums.

Aby Warburg (1866-1929) begann 1886 das Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie in Bonn, das er später in München und Straßburg fortsetzte. Seine Dissertation über "Sandro Botticellis 'Geburt der Venus‘ und ‚Frühling'. Eine Untersuchung über die Vorstellungen von der Antike in der italienischen Frührenaissance" reichte er 1892 ein., Aby Warburgs zentrale Frage war die des Nachlebens der Antike. Nach mehreren Aufenthalten in Florenz siedelte er 1904 endgültig nach Hamburg über. 1912 erhielt er vom Senat den Professorentitel verliehen, 1921 wurde er zum Honorarprofessor an der Philosophischen Fakultät der Hamburgischen Universität ernannt. Für seine umfangreiche Bibliothek (1911: 15.000 Bücher), die die Familie Warburg finanzierte, ließ er ab 1925 in der Heilwigstraße 116 ein eigenes Gebäude bauen, das 1926 als Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg eingeweiht wurde. Hier hielt er auch Seminare für Studenten der Hamburgischen Universität ab. Zum intellektuellen Umfeld der Bibliothek gehörten so prominente Wissenschaftler wie der Philosoph Ernst Cassirer und der Kunsthistoriker Erwin Panofsky. 1933 konnte sie vor dem Zugriff der Nationalsozialisten gerettet und nach London gebracht werden.

Max Warburg (1867-1946) trat nach seiner Lehrzeit und Aufenthalten in Paris und London 1893 als Teilhaber bei M. M. Warburg & Co. ein und entwickelte sich dort schnell zur eigenlichen Führungsperson im Bankhaus, das in der Folgezeit zu einer der wichtigsten Privatbanken Deutschlands aufstieg. Nach dem Tod des Vaters übernahm er auch offiziell die Leitung der Bank. Warburg hatte eine Vielzahl von Ämtern und Positionen inne: So gehörte er der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft an und setzte sich zusammen mit seinem Bruder Aby für die Gründung der Hamburgischen Universität ein, die ihm 1921 die Ehrendoktorwürde verlieh. Er war Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (1904 bis 1919: Fraktion des linken Zentrums) und der Handelskammer (1903 bis 1933). 1919 fungierte er als Finanzsachverständiger der deutschen Friedensdelegation in Versailles und wurde im selben Jahr in den Zentralausschuss, 1924 in den Generalrat der Reichsbank berufen. Außerdem war er seit 1927 Mitglied des Vorstandes des Hilfsvereins der deutschen Juden und von 1935 bis 1938 dessen Vorsitzender. Nach 1933 musste er den Verlust zahlreicher offizieller Ämter hinnehmen. 1937 willigte er im Interesse seiner Angestellten notgedrungen in eine "Arisierung" der Warburgschen Bank ein. Nach dem Pogrom vom 9./10. November 1938 blieb er in New York und wurde 1944 amerikanischer Staatsbürger. In Rotherbaum ist seit 1947 die Warburgstraße nach ihm benannt.